Wien 3 – Tschechische Gemeinde


  1. Zur Geschichte der Tschechen in Österreich
  2. Zur Geschichte der salesianischen Präsenz
 
3. Die Salesianische Familie
 
4. Die Jugendpastoral

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 1. Zur Geschichte der Tschechen in Österreich
Österreich war immer ein Land der Immigration. Zur Zeit des Königs Premysl Otakar (1253-1278)    
waren Tschechen in Wien angesiedelt. Ende des 18. Jahrhunderts war die Zuwanderung schließlich so stark, dass in Wiener Vororten Verlautbarungen auch in tschechischer Sprache veröffentlicht werden mussten. Den Höhepunkt erreichte die tschechische Zuwanderung nach Wien zwischen 1880 und 1890, als über 200.000-400.000 Tschechen, vor allem Arbeiter und Handwerker, nach Wien kamen. Der Großteil der heute noch existierenden tschechischen Vereine wurde in der Zeit zwischen 1860 und 1890 gegründet.

Die Blütezeit der Wiener Tschechen war sicher die Zeit am Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit war Wien auch gleichzeitig die zweitgrößte tschechische Stadt der Welt. Nur noch in Prag lebten mehr Tschechen. Trotz kräftigen politischen Widerstandes gelang es in dieser Zeit die ersten selbständigen tschechischen Schulen zu gründen. Für die Tschechen der damaligen Zeit war Dank der großen Vielfalt der tschechischen Betriebe, Zünfte, Genossenschaften, Banken und Zeitungen sowie politischer Parteien, und einem überaktiven Gesellschaftsleben in unzähligen Vereinen das tägliche Leben in allen seinen Facetten fast ausschließlich tschechischsprachig möglich.

Zwei große Rückwanderungswellen nach den beiden Weltkriegen halbierten jeweils die Zahl der Tschechen in Wien. Bis in die sechziger Jahre war die Zahl ständig fallend. Schließlich veranlasste die Situation in der Tschechoslowakei in den Jahren 1968 und 1969 viele Tschechen, sich in Wien niederzulassen. Die tschechische Sprachgruppe war nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 / 69 wieder gewachsen, als 10.000 tschechoslowakische Bürger um politisches Asyl in Österreich ansuchten.

In Folge der politischen Veränderungen in der CSSR im November 1989 entwickelten sich wieder stärkere Kontakte zwischen den in Wien ansässigen Tschechen und der Tschechischen Republik. Am Anfang des 21. Jahrhunderts hat die rund 45.000 Personen umfassende tschechische Volksgruppe in Wien wieder an Bedeutung gewonnen.

 

  2. Zur Geschichte der salesianischen Präsenz

Die erste Gruppe von tschechischsprechenden Salesianern (SDB) in Österreich bestand aus drei Priester: P. Ladislav Dittrich und P. Jan Homola unter der Leitung von P. Vojtěch Hrubý, die aus Italien nach Wien hin- und hergefahren sind (1962 – 1965). Später entwickelte sich eine durchgehende Jugendarbeit durch die tschechisch-sprechenden Salesianerpriester: P. Hrubý, P. Dittrich, P. Homola, P. Taťák, P. Kopecký, P. Přerovský, P. Šimčík, P. Valerián, P. Müller, P. Horák, P. Klement, P. Herián, P. Stuchlík und Don Bosco-Schwestern (FMA): Sr. Vorlová, Sr. Otradovcová. Seit 1965 stellte sich eine glückliche Übereinstimmung ein zwischen den Erwartungen der Jugendlichen und zahlreichen Bemühungen und Angeboten der Don Bosco-Familie.

Nach den Richtlinien für die fremdsprachige Seelsorge in Österreich ist die Seelsorge für Katholiken anderer Muttersprache in „Missiones", dann später  in "Gemeinden", organisiert. Entsprechend wurde vom Erzbischöflichen Ordinariat mit 1. Mai 1991 auch eine "Tschechische Gemeinde", heute mit Matrikenführung, errichtet. In der Tschechischen Gemeinde sind ein Priester SDB und eine Pastoralassistentin SMDB tätig.

Die Sonntagsmessen werden regelmäßig in 3 Wiener Kirchen gefeiert. Und nach Bedarf werden Gottesdienste in tschechischer Sprache in anderen Kirchen und Kapellen zelebriert. Der Gebrauch der Muttersprache im Gottesdienst und im Religionsunterricht, die kulturellen Veranstaltungen, die Folklore, die Schola, gemeinsame Wallfahrten sowie Kinder-Ferienlager und die meditative Jugend-Schiwoche in Tirol, Studientage und der Rundbrief "Rundschau – Rozhledy" (seit 2001:
www. rozhledy. at
) sind wichtige Elemente, die tschechische katholische Gemeinde in Wien pflegen und fördern.
 
Für die Tschechen in ganz Österreich ist heute ein Oberseelsorger (= Koordinator) zuständig, 
P. Jan Horák SDB.

  3. Die Salesianische Familie
Kurz nach ihrer Ankunft in Wien sahen die tschechischsprechenden Salesianer die Notwendigkeit, Laienmitarbeiter für die Jugendarbeit zu gewinnen. Überall sorgten sie mit Begeisterung für die Bildung der Mitarbeiter (Besinnungstage, Studientagungen). Nach der Wiederentdeckung der Salesianischen Familie seitens des Besonderen Generalkapitels (1972) haben die salesianischen Mitarbeiter ihre Berufung, ihre unverzichtbare Rolle in der salesianischen Sendung sowie ihren angemessenen Platz in der Don Bosco-Familie und in der Kirche klarer begriffen.

Heute gibt es 3 salesianischen Mitarbeiter, die das Versprechen abgelegt haben, und weitere 8 Kandidaten. Das Ortzentrum „Tschechische Gemeinde – Wien" ist im Aufbau mit einem provisorischen Ortsrat und wird von Beauftragten SDB animiert.
Praktisch findet man überall in Wien die tschechischsprechenden Ehemaligen Don Boscos. Viele von ihnen besetzen bedeutsame Positionen in der Gesellschaft, Kultur und Politik – auch im Bundeskanzleramt und in der Tschechischen Botschaft.
Kontakte und Zusammenarbeit mit den tschechischsprechenden Don Bosco-Schwestern werden gepflegt (Italien, Tschechische Republik).
Die Gruppe der Volontarie Don Boscos ist noch ausbaufähig. Praktisch haben die Tschechen in Österreich einen Salesianer als Beauftragten für die Salesianische Familie.


  4. Die Jugendpastoral
Das unsere salesianische Apostolat für die Jugend in Wien hat verschiedene Formen. Die wichtigsten sind der Unterricht und die Erziehung, und außerschulische Betreuung.

An der tschechischen Schule „Komensky" in Wien unterrichten 1 SDB und 4 SMDB
(2 SMDB gehören zu österreichischen Ortzentren). Die Schule ist ein weltweites Unikat. Sie ist die einzige tschechisch unterrichtende Schule außerhalb der Tschechischen Republik. Wir haben 4 Kindergartengruppen, 4 Parallelklassen der Volksschule, 4 Klassen Sekundarschule (= Unterstufe eines Gymnasiums) und 4 Klassen des Oberstufenrealgymnasiums. Es gibt einen zweisprachigen Unterricht für insgesamt 420 Kinder und Jugendliche, von 3 – 18 Jahren ganztägig, bis hin zur 
Matura. Ihre Fähigkeiten wachsen nicht nur in einem Bildungsvorgang, sondern gedeihen in einem ganzheitlichen Erfahrungslernen. Unser Ziel: „Wir sind zusammen mit den Jugendlichen unterwegs, um sie zum auferstandenen Herrn zu führen. Indem sie in ihm und seinem Evangelium den tiefsten Sinn ihres Daseins entdecken, sollen sie zu neuen Menschen heranwachsen" (K 34).

Die in dieser Arbeit engagierten Personen machen ein typisch salesianisches Apostolat und verdienen jede Unterstützung, Hilfe und Wertschätzung. Die Zukunft stellt eine Menge von Herausforderungen und ist sehr ermutigend.

                                                                                                                      
               2007©Don Bosco-Team